PRESSEAUSSENDUNG

GOLD-CARD, E-CARD, SOZIALHILFEKRANKENSCHEIN

Eigenes Gesundheitssystem für Privatversicherungen öffnet Dreiklassengesellschaft Tür und Tor – qualitativ hochwertige Versorgung nur mehr für jene, die es sich leisten können.

Während Bezieherinnen und Bezieher der „Sozialhilfe Neu“ künftig aus der gesetzlichen Krankenkasse fallen und womöglich keine E-Card mehr bekommen werden, können privat-versicherte Personen in Zukunft mit einer eigenen Karte den Wahlarztbesuch ohne Voraus-kasse abrechnen. Ein eigens Ökosystem der Wahlärzte wollen sich die Anbieter schaffen. Ein Ökosystem der Leistungsträger. Ein Ökosystem der Systemgewinner. Denn für andere ist dieses Gesundheitssystem nicht zugänglich. 

18% der Salzburgerinnen und Salzburger waren im Jahr 2017 im Bundesland Salzburg ar-muts- oder ausgrenzungsgefährdet . Eine private Krankenversicherung liegt für diese Men-schen in weiter Ferne. „Armutsbetroffene Personen können sich häufig nicht einmal die Selbstbehalte für Heilbehelfe leisten. Eine kaputte Brille oder ein kaputter Zahn können für die Betroffenen große finanzielle Sorgen bedeuten und werden deshalb häufig nicht repariert“, sagt Elisabeth Kocher, Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz. Auch die Nicht-Finanzierbarkeit von Medikamenten oder Therapieangeboten, zum Beispiel, wenn diese plötz-lich nicht mehr in den Leistungskatalog der Krankenkassen fallen, bedeuten für die Betroffe-nen eine immense finanzielle Herausforderung. „Fallen Selbstbehalte an oder ist eine Vorfi-nanzierung notwendig, können sich das viele Betroffene nicht leisten und nehmen daher ver-ordnete Therapien nicht in Anspruch. Durch die Nicht-Inanspruchnahme wiederum verschärft sich die gesundheitliche Situation weiter.“
Armut und Gesundheit hängen zusammen: Die EU Sozialstudie SILC hat erhoben, dass 13% der armutsgefährdeten Personen in Österreich ihren Gesundheitszustand als sehr schlecht bzw. schlecht beschreiben. Bei Haushalten mit mittlerem Einkommen sank dieser Wert auf 5% und bei Haushalten mit hohem Einkommen lag er bei 2%. 
Armutsbetroffene Menschen sind eher krank und haben eine niedrigere Lebenserwartung. Laut Statistik Austria  sterben Männer, die dauerhaft von manifester Armut betroffen sind, im Schnitt um zwölf, Frauen um neun Jahre früher als die restliche Bevölkerung.

Gesundheitsdienste beziehen ihre Legitimität und gesellschaftliche Anerkennung daraus, dass sie von allen finanziert, auch allen in gleicher Qualität zur Verfügung stehen sollen. Öffentliche Dienstleistungen sind Ausdruck institutionalisierter Solidarität und wesentliches Element einer präventiven Politik gegen Armut. Eine fortschreitende Privatisierung ist ein alarmierendes Signal in Richtung Drei-Klassengesellschaft: jene mit der Wahlarzt-Card, jene mit der E-Card und jene die in Zukunft vielleicht wieder einen Sozialhilfekrankenschein benötigen. Die beiden letzten Gruppen haben keine Wahl – geschweige denn einen Wahlarzt.

Rückfragen: Elisabeth Kocher, 0662 – 849373-202 bzw. 0676 – 848210248


[1] EU SILC 2017
[2] Eingliederungsindikatoren 2017