07.11.2019

9. REGIONALE ARMUTSKONFERENZ

SOLIDARITÄT ist ein Schlüsselbegriff der Gegenwart – und ein zentrales Problem gesellschaftlicher Zukunft. Denn der aktuelle politische Diskurs ist weniger von Solidarität als vom Ausschluss bestimmter Personengruppen geprägt. „Soziale Hängematte“, „Sozialschmarotzer“, „Wirtschaftsflüchtlinge“ usw.: Das politische Framing der sogenannten Leistungsträger wirkt sich auf den Diskurs aus, der wiederum Auswirkungen auf unser Denkweise hat. Als Feindbilder gelten – nicht erst seit gestern – Geflüchtete, Arbeitslose und Mindestsicherungsbezieher*innen, also jene Menschen, denen eigentlich am meisten Solidarität zustehen müsste.

Doch Solidarität kostet etwas. „Sie hört nicht da auf, wo es schwierig wird“, so die Politologin und Leiterin der Forschungsgruppe Zeitgenössische Solidaritätsstudien, Barbara Prainsack.

Seit Jahren wird uns gepredigt, dass es der Wirtschaft gut gehen muss, damit es uns allen gut geht. Doch diese These ist in der Realität nicht haltbar. „Wir wissen, dass eine florierende Wirtschaft kein Garant ist für Wohlstand. Vielmehr verschärfen sich die sozialen Ungleichheiten in wohlhabenden Gesellschaften“, so Prainsack. Verschärft werden die sozialen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten durch den politischen Diskurs, der weniger von Solidarität als vom Ausschluss bestimmter Personengruppen geprägt ist. Die Sozialwissenschaftlerin Birgit Buchinger konstatiert, dass Begriffe wie „Sozialschmarotzer“, die „unseren Sozialstaat belasten“ als Legitimation verwendet werden um armutsbetroffenen Menschen keine oder nur wenig Unterstützung zukommen zu lassen. Arme Menschen, so häufig der Diskurs, seien selber schuld. Buchinger betont die Macht der Worte: „Für unser Denken und Handeln sind nicht Fakten entscheidend, sondern der gedankliche Bedeutungsrahmen.“ Wer von der sozialen Hängematte spricht, suggeriert, dass es dort gemütlich ist – wie in einer Hängematte eben.

Solidarisch zu sein mit Menschen, die ich kenne, oder mit denen ich Gemeinsamkeiten habe ist das eine, Solidarität unter Fremden wird hingegen als Zwang wahrgenommen. Das Sozialrecht regelt diese Solidarität unter Fremden. „Das Sozialrecht“, so der Wissenschaftler Nikolaus Dimmel, „war schon immer ein Instrument sozialer Kontrolle und Disziplinierung. Es wurde eingeführt, um dem Pöbel die revolutionäre Schneid abzukaufen. Es ging um soziale Sicherheit für diejenigen, die sich konform verhalten, und nicht für die, die unfolgsam waren und sind.“

Die Tagung endete mit Gedanken von Fritz Messner. Er sagt „über Soldaridität ein Kabarett zu machen sei so anziehend wie nässelnder Hautausschlag“. Und dennoch bringt er es humorvoll auf den Punkt: Uns geht es erst gut, wenn ich ein bisschen mehr habe als der Nachbar.

 

Infomaterialen:

Programm

Videos der Vorträge

Unterlagen zum Vortrag "Entsolidarisierung und Judikatur"

 

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   Univ. Prof.in Dr.in Barbara Prainsack

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   Prof.in Dr.in Birgit Buchinger

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DDr. Nikolaus Dimmel

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Fritz Messner

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08.11.2019: 3. JUGENDARMUTSKONFERENZ

82.000 Salzburgerinnen und Salzburger leben unter der Armutsgrenze, gelten also als „armutsgefährdet“. Das sind insgesamt 15 % der Bevölkerung. Kinder bis 14 Jahre gelten als besonders gefährdet. Allein in Salzburg sind 17.000 Kinder betroffen. Armut ist mitten unter uns, doch oft nicht sichtbar, weil die Betroffenen oft mit allen Mitteln versuchen, ihre Situation zu verdecken.

Neben fachlichen Inputs über Armut in Salzburg stand jedoch die aktive Mitarbeit der Jugendlichen im Vordergrund. So erlebten die Jugendlichen im Großgruppenspiel „Einen Schritt nach vorne“, was es heißt, in Armut aufzuwachsen. Die darauffolgenden Workshops behandelten unterschiedliche Aspekte von Armut. Auswirkungen und Ursachen von Armut wurden ebenso diskutiert wie Hass im Netz gegenüber armutsbetroffenen Menschen.

Abgeschlossen wurde die Tagung mit einem Poetry-Slam von Anna Schober, Gewinnerin des Jugend-Redewettbewerbes 2017 in der Kategorie „Neues Sprachrohr“. Sehr eindrucksvoll und ausdrucksstark machte sich die junge Salzburgerin Gedanken, wie es ist, jene oder jener 7.Salzburger*in zu sein, der oder die armutsgefährdet ist.

Hier finden Sie das Programm der Jugendarmutskonferenz

   

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