PRESSEAUSSENDUNG

82.000 SALZBURGER*INNEN SIND ARMUTSGEFÄHRDET

Trotz rückläufiger Zahlen sieht die Salzburger Armutskonferenz keine Entspannung in der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Die Intensität der Armut ist in den letzten Jahren sogar gestiegen!

Die Zahlen der Personen, die armuts-und ausgrenzungsgefährdet sind, haben sich in den letzten 10 Jahren um 187.000 Personen verringert, so die aktuelle Armutserhebung EU SILC 2018. „Das ist grundsätzlich ein erfreuliches Ergebnis. Doch wenn wir uns die Zahlen genauer anschauen, gibt es leider keinen Grund zum Aufatmen – ganz im Gegenteil: Zwar waren weniger Personen armutsgefährdet, doch sind die Betroffenen insgesamt ärmer geworden“, gibt Elisabeth Kocher, Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz zu denken und verweist auf die Armutsgefährdungslücke, die über Intensität und das Ausmaß der Armutsgefährdung Auskunft gibt. Diese ist seit 2008 von 15% auf 21,7% beträchtlich angestiegen.

Ein höheres Risiko sozialer Benachteiligung besteht für Ein-Eltern-Haushalte, kinderreiche Familien, Langzeitarbeitslose, Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft und Geringqualifizierte.

82.000 Salzburger*innen waren im Jahr 2018 armuts- oder ausgrenzungsgefährdet – das sind immerhin 15% der Bevölkerung. Kinder bis 14 Jahre stellen eine besonders gefährdete Gruppe dar: mit einem Anteil von 21% sind sie überproportional vertreten. Außerdem, so die aktuellen Zahlen, sind für die Mehrheit der Salzburger*innen (342.000) die hohen Wohnkosten eine Belastung. 32.000 Personen in Salzburg geben sogar mehr als 40% ihres Einkommens für die Wohnkosten aus.

Von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht gelten Personen, deren Haushalt ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze aufweisen bzw. Personen im Erwerbsalter, die nicht oder nur in geringem Ausmaß beschäftigt sind, oder – drittens – unter erheblichen finanziellen Einschränkungen leben müssen. Das bedeutet z.B., dass sie nicht in der Lage sind, laufende Zahlungen zu tätigen oder bei der Ernährung einsparen müssen. Die aktuelle Armutsgrenze lag 2018 bei € 1.259,- pro Monat (12 Mal) für eine erwachsene Person.

Die Ursachen, die zu Armut führen, müssen gezielt in den Blick genommen werden. „Es braucht existenzsichernde Einkommen, mehr Investitionen durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Qualifizierung, höhere Nettoersatzraten in der Arbeitslosenversicherung, keine Abschaffung der Notstandshilfe und ein armutsfestes letztes Netz der Mindestsicherung. Auch die Landesregierung muss ihren Beitrag dazu leisten, zum Beispiel durch den Ausbau eines erweiterten Arbeitsmarktes, den Ausbau einer leistbaren und qualitätsvollen sozialen Infrastruktur im Bereich (Elementar)Bildung und Pflege sowie Maßnahmen für leistbares Wohnen.“

„Und vor dem Hintergrund der Reform der Mindestsicherung, die zukünftig wieder Sozialhilfe heißt, muss das Land Salzburg alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Härten des Grundsatzgesetzes abzufangen“, schlägt Kocher als weitere Maßnahmen zur Armutsbekämpfung vor.

 

Rückfragen: Elisabeth Kocher, 0662 – 849373-202 bzw. 0676 – 848210248