TAG DER ARBEITSLOSIGKEIT - ZUM ZUSAMMENHANG VON ARMUT UND ARBEITSLOSIGKEIT

Aus der Gesundheitskrise ist längst auch eine soziale Krise geworden! Im Zuge des Tages der Arbeitslosigkeit am 30. April blicken wir auf die langfristigen Folgen von Erwerbslosigkeit – welche es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.

Status Quo
Im Bundesland Salzburg waren mit Ende März 2021 23.241 Menschen arbeitslos bzw. in Schulung. Besonders problematisch ist die Situation für langzeitbeschäftigungslose Menschen, die seit einem Jahr und länger als arbeitssuchend gelten. Darunter fällt nun auch jene Gruppe, die im März 2020 aufgrund der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren hat und damit erreicht Salzburg aktuell einen Höchststand von 5.437 langzeitbeschäftigungslosen Menschen! Wie schnell das Fehlen einer Erwerbsarbeit in die Armut führen kann zeigt das Momentum Institut auf: sieben von zehn Langzeitbeschäftigungslosen gelten als armutsgefährdet, was neben einer finanziellen Schlechterstellung auch gesundheitliche und psychische Folgen mit sich bringt.
Langzeitarbeitslosigkeit mit innovativen Beschäftigungsprojekten bekämpfen Langzeitbeschäftigungslosigkeit hat gravierende Folgen für die Betroffenen: der Wegfall von Erwerbseinkommen bedeutet ein höheres Armutsrisiko und verminderte soziale Teilhabe. Steigen Langzeitbeschäftigungslosigkeit und Armut, wirkt sich das auf alle im Land lebenden Personen aus:


Die Armutskonferenz spricht in diesem Zusammenhang von einer drohenden Zweidrittel-Demokratie, welche Menschen im ökonomisch schwächsten Drittel gänzlich aus dem demokratischen Prozess auszugrenzen droht. Vor dem Hintergrund der Folgen von wachsender Ungleichheit und Armut sieht Bayer Carmen, Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz, dringenden Handlungsbedarf: „Mittlerweile sind in Salzburg beinahe 20,0 Prozent der Arbeitslosen langzeitbeschäftigungslos, eine Entwicklung, die sich angesichts der Krise weiter zu verschärfen droht und deren Folgen uns alle betreffen werden.“


Die Salzburger Armutskonferenz schließt sich daher der Forderung von arbeit plus nach einer mutigen, zukunftsgerichteten Arbeitsmarktpolitik an. Zur Gestaltung des Arbeitsmarktes nach der Krise und der Bekämpfung der Langzeitbeschäftigungslosigkeit braucht es neue, innovative Impulse wie geförderte Jobs und Ausbildungsprogramme im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich sowie für die kommunale und städtische Infrastruktur.

Frauen: Systemerhaltend aber kaum anerkannt.

Bereits vor dem Ausbruch der Krise waren Frauen am Arbeitsmarkt schlechter gestellt: Die Übernahme unbezahlter Care-Arbeiten, Teilzeitanstellungen sowie das niedrige Lohnniveau in vielen frauendominierten Branchen führen schlussendlich zu einer geringen, nicht existenzsichernden Pension und damit zu einem hohen Armutsrisiko für Frauen, vor allem im Alter. Mehr als 200.000 Menschen über 65 Jahre sind in Österreich von Armut oder Ausgrenzung betroffen, ¾ davon sind Frauen!
Im März 2021 waren 9.779 Frauen in Salzburg ohne Arbeit – im Vergleich zum März des Vorkrisenjahres (2019) bedeutet dies eine Steigerung der weiblichen Arbeitslosigkeit um 86,0 Prozent. Darüber hinaus hat sich seit März 2020 die Anzahl der männlichen Arbeitslosen schneller erholt (- 34,8 Prozent, Stand März 2021) als es bei Frauen der Fall ist (-25,3 Prozent). Es braucht daher dringend konkrete arbeitsmarktpolitische Maßnahmen für arbeitslose Frauen sowie Qualifizierungsmaßnahmen in technischen Berufen.
Zudem braucht es einen flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung mit Fokus auf die unter-3-Jährigen sowie eine Ausweitung der Öffnungszeiten. Denn eine gut ausgebaute Betreuungsstruktur ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die Erwerbsbeteiligung von Frauen. Ein besonderer Fokus muss auch auf Alleinerzieherinnen gerichtet werden, welche bereits vor der Krise mitunter am stärksten durch Armut gefährdet waren. Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit führen bei Alleinerzieherinnen in vielen Fällen zu finanziellen Notlagen, daher braucht es schnelle, unbürokratische finanzielle Hilfen sowie eine verlässliche Unterhalts- und Kindergrundsicherung.


Einkommensverlust, Schulden und drohende Delogierungen


Im Verbindung mit den hohen Mietkosten in Salzburg kann bereits die Reduktion des Einkommens durch Kurzarbeit oder Arbeitslosengeld beziehungsweise Notstandshilfe das gesamte Haushaltsbudget enorm strapazieren. Während 2020 viele ihr Erspartes aufbrauchen mussten oder sich innerhalb der Familie wechselseitig unterstützten, wurde der Anstieg von drohendem Wohnungsverlust und Mietschulden bereits im ersten Quartal 2021 deutlich spürbar.
Darüber hinaus wurde durch die Reform der Mindestsicherung (in Salzburg: Sozialunterstützung) die Situation für armutsgefährdete Menschen mitten in der Krise nochmals verschlechtert. „Die neue Sozialunterstützung führt bei einem Großteil der Bezieher:innen zu einer Reduktion der Leistungen, was in Anbetracht der aktuellen Umstände für uns nicht nachvollziehbar ist. Gerade jetzt braucht es eine umfassende soziale Absicherung, wie sie eine gute Mindestsicherung im Gegensatz zur schlechten Sozialhilfe bieten kann.“, stellt Bayer fest und fordert eine Reform des Sozialhilfe-Grundsatzgesetzes auf Bundesebene.


In der Sozialberatung der Caritas werden die Folgen der Krise für den Arbeitsmarkt deutlich sichtbar. Immer mehr Menschen kommen in die Beratung, da sie aufgrund der Pandemie ihre Arbeit und in einigen Fällen bereits ihre Wohnung verloren haben, nachdem das Ersparte aufgebraucht wurde. Zudem wird die Arbeitssuche immer schwieriger und die Verzweiflung bei den betroffenen Menschen größer. Existenzsichernde Maßnahmen und eine mutige und innovative Arbeitsmarktpolitik sind gefordert, um die drohende soziale Krise abzuwenden und neue Perspektiven aufzuzeigen.


„Die größte Krise der Arbeitswelt erfordert eine Neubewertung unserer bisherigen Arbeitsmarktpolitik“, sagt Torsten Bichler, Bereichsleiter in der Caritas Salzburg. Aber welche bestehenden Maßnahmen sind geeignet, die aktuellen Herausforderungen rasch, erfolgreich und nachhaltig zu bewältigen? Welche Innovationen und Anpassungen sind sinnvoll und möglich? „Die Realität am Arbeitsmarkt ist komplex und schnelllebig. Für einen erfolgreichen Neustart arbeitsloser Menschen sollten die Ziele um qualitative Kriterien erweitert und der Fokus auf die Lebenswelten der Arbeitssuchenden gelegt werden. Eine Flexibilisierung von Förderrichtlinien samt langfristigen Förderzeiträumen sowie die strukturelle Verzahnung mit relevanten Querschnittsthemen wie Gesundheit, Soziales, Umwelt, Digitalisierung ist nötig."

Für Ines Grössenberger, AK-Salzburg bedarf es angesichts der aktuellen Situation auch dringend eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes: „Da die Corona-Krise nun schon länger als ein Jahr andauert und viele Menschen, sofern vorhanden, ihr Erspartes aufgebraucht haben, ist die Erhöhung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent notwendig, um die Menschen vor Armut zu schützen.“ Diese Erhöhung würde insbesondere Frauen zu einer besseren finanziellen Basis verhelfen, da diese meist in niedrig entlohnten Bereichen tätig sind oder in Teilzeit arbeiten und in Salzburg auch besonders stark von der krisenbedingten Arbeitslosigkeit betroffen sind.