ERADICATING POVERTY BEYOND GROWTH

A GLOBAL ROADMAP FOR A NEW ECONOMY

Genf, 22.04. 2026 Armut überwinden – jenseits des Wachstums: Die Kernaussagen der neuen UN‑Roadmap zur Armutsbekämpfung

Trotz jahrzehntelangem globalem Wirtschaftswachstum bleibt Armut eine zentrale Herausforderung. Weltweit leben derzeit rund 826Millionen Menschen in extremer Armut, und etwa 1,1Milliarden Menschen sind von multidimensionaler Armut betroffen – ihnen fehlen gleichzeitig sichere Lebensbedingungen, Zugang zu Wohnen, Gesundheit, Bildung, Energie oder sozialer Absicherung. Diese Realität steht im deutlichen Gegensatz zu einer stetig wachsenden globalen Wirtschaftsleistung. Genau an diesem Widerspruch setzt die UN‑Roadmap „Eradicating Poverty Beyond Growth“ an.

Entstanden aus dem UN‑Menschenrechtsmandat

Die Roadmap wurde vom UN‑Sonderberichterstatter für extreme Armut und Menschenrechte, Olivier De Schutter, im Rahmen seines Mandats für den UN‑Menschenrechtsrat erarbeitet. Sie ist kein Einzelpapier, sondern das Ergebnis eines 18‑monatigen, internationalen Arbeitsprozesses, an dem Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Organisationen, Wissenschafter:innen, Expert:innen und UN‑Institutionen beteiligt waren. Insgesamt mehr als 400 Personen brachten sich ein, um gemeinsam eine zentrale Frage zu beantworten: Wie kann Armut wirksam bekämpft werden, ohne weiterhin von ständigem Wirtschaftswachstum abhängig zu sein?

Die zentrale Botschaft

Die Roadmap formuliert ihre Kernaussage bewusst klar: „Economic growth is not a precondition for the realization of human rights.“ Aus menschenrechtlicher Sicht ist es problematisch, Armutsbekämpfung an wirtschaftliche Expansion zu knüpfen. Wachstum kann ausbleiben, sozial ungleich wirken oder ökologische Lebensgrundlagen zerstören – Menschenrechte dagegen sind unverhandelbar. Olivier De Schutter bringt es auf den Punkt: „The fight against poverty must become an end in itself, not the hoped‑for by‑product of economic expansion.“

Armut ist kein Zufall – sie ist politisch erzeugt

Ein zentraler Perspektivwechsel der Roadmap besteht darin, Armut als Menschenrechtsverletzung zu begreifen. Armut entsteht nicht durch individuelles Versagen, sondern durch politische Entscheidungen – etwa in Steuer‑, Arbeits‑, Sozial‑, Wohn‑ oder Umweltpolitik. Der Sonderberichterstatter hält dazu fest:„Poverty is not an accident. It is manufactured through policy choices.“ Wenn Armut politisch erzeugt wird, kann sie auch politisch beseitigt werden – vorausgesetzt, sie wird nicht länger als Nebenproblem von Wirtschaftspolitik behandelt.

Warum Wachstum nicht mehr trägt

Die Roadmap zeigt, dass das bisher dominante Wachstumsmodell an klare Grenzen stößt. Wachstum schafft immer seltener existenzsichernde Arbeit, vertieft soziale Ungleichheit und verschärft ökologische Krisen. Heute verfügen die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung über rund 75Prozent des globalen Vermögens, während breite Bevölkerungsgruppen zunehmender Unsicherheit ausgesetzt sind. De Schutter spricht von der Gegenproduktivität des Wachstums: „Economic growth, as pursued today, often undermines the very social and ecological foundations on which poverty eradication depends.“

Die Alternative: Eine menschenrechtsbasierte Wirtschaft

Als Antwort fordert die Roadmap den Übergang zu einer „Human Rights Economy“. Wirtschaftlicher Erfolg soll nicht länger am Bruttoinlandsprodukt gemessen werden, sondern daran, ob Menschenrechte verwirklicht werden. Im Zentrum stehen:

  • universelle soziale Sicherung und öffentliche Dienstleistungen,
  • faire Verteilung von Einkommen und Vermögen,
  • die Aufwertung von Care‑ und Sozialarbeit,
  • Armutsbekämpfung innerhalb planetarer Grenzen,
  • und die aktive Beteiligung von Menschen mit Armutserfahrung.

Besonders betont wird die Rolle von Sorgearbeit: „Care work and social reproduction are foundational to poverty eradication.“

Relevanz der UN‑Roadmap für Österreich

Für Österreich heißt das: Armut ist kein Ausnahmefall, sondern entsteht durch politische Rahmenbedingungen. Wirtschaftliches Wachstum allein schützt Menschen weder vor Unsicherheit noch vor Ausgrenzung. Wirksame Armutsbekämpfung braucht klare politische Entscheidungen. „Armutsbekämpfung erfordert robuste soziale Sicherungssysteme, existenzsichernde Arbeit und einen verlässlichen öffentlichen Zugang zu grundlegender Infrastruktur und sozialen Leistungen.“ betont Singhal, Sprecher der Salzburger Armutskonferenz.

Die Salzburger Armutskonferenz begrüßt die UN‑Roadmap als wichtigen Orientierungspunkt. Sie zeigt, dass Armut durch Menschenrechte, soziale Sicherheit und Gerechtigkeit überwunden werden kann. Zugleich eröffnet sie wichtige Denkräume für politische Debatten. Die Roadmap macht deutlich, dass ein Umdenken notwendig ist – weg vom Wachstumsdogma, hin zu einer Politik der Menschenwürde und Verantwortung. Oder, wie Olivier De Schutter es formuliert: „Moving beyond growth is not a rejection of development – it is the condition for development that is just, inclusive and sustainable.“´

Weitere Informationen:

Wir möchten die Inhalte dieser Webseite auf Ihre Bedürfnisse anpassen. Zu diesem Zweck setzen wir sogenannte Cookies ein. Entscheiden Sie bitte selbst, welche Arten von Cookies bei der Nutzung unserer Website gesetzt werden sollen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.