
Unsere monatliche Kolumne zum “Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung” in der Sbg. Straßenzeitung Apropos
Ein Ja(hr) zur Armutsbekämpfung?
Teil 9 (September): Armut macht keinen Urlaub!
In meiner Mailbox landete am 20. August, also mitten in meinem Urlaub, eine Nachricht. Eine Nachricht von jenen, die zwar nicht jeden Tag, aber doch immer wieder mal bei mir ankommen. Der Betreff – „Dringende Hilfe!“ – war genau so eindeutig wie der Inhalt:
„Ich wende mich heute an Sie, weil ich keinen Ausweg mehr sehe, und nicht weiß, wie es weiter gehen soll! Wegen einer Jobzusage musste ich von Innsbruck nach Salzburg ziehen, da es in Innsbruck für mich keine Zukunftschancen mehr gab! Ich bin jetzt seit Freitag in Salzburg gemeldet und habe gestern auch zu arbeiten begonnen! Da ich dieses Jahr eine echte Pechsträhne und viele Schicksalsschläge hatte, sieht es momentan bei mir finanziell echt bescheiden aus!
Derzeit kann ich bei einer Bekannten wohnen, sie, ihre Tochter und ich auf 53 m2! Heute war ich beim Sozialamt um eine Förderung für eine eigene Wohnung zu beantragen, die haben mich aber verwiesen, weil ich keinen Anspruch habe mit € 724,- AMS-Bezug im August! Ich solle nächsten Monat noch einmal kommen, also am 8. September, sprich in 3 Wochen! Und ich habe noch genau € 21 zum Leben!
Ich schäme mich um Hilfe zu bitten, aber da ich keine Familie habe, weiß ich auch nicht wohin ich mich wenden soll. Ich bitte Sie aus ganzem Herzen um Hilfe, ich habe momentan echt Angst um meine Existenz, denn ich weiß nicht mehr aus und ein! Wenn ich keine Wohnung bekomme, verliere ich wieder den Job. Ich bitte sie aus ganzem Herzen, mir zu helfen.“
Ich habe es versucht, mal sehen, ob es gelingt. Der Text wurde leicht gekürzt und anonymisiert, die Stadt Salzburg stimmt auch nicht, ansonsten ist alles bittere Realität im Sommer 2010. Denn Armut macht – im Gegensatz zu mir und vielen anderen – keinen Urlaub!


