„Beliebte“ Kinderarmut

de_medium4

Unsere monatliche Kolumne zum „Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ in der Sbg. Straßenzeitung Apropos

Ein Ja(hr) zur Armutsbekämpfung?
Teil 11 (November): „Beliebte“ Kinderarmut

Es ist zweifellos eines der „beliebtesten“ Themen, wenn es um Armut geht, die Bekämpfung von Kinderarmut. Quer durch Europa erhöhte sich in den letzten Jahren die Frequenz an Veranstaltungen, politischen Bekenntnissen oder auch wissenschaftlichen Abhandlungen zum Thema. Seit kurzem auch hierzulande: „Land Salzburg rückt Bekämpfung von Kinderarmut in den Mittelpunkt“, titelte eine Aussendung der Soziallandesrätin kürzlich. „Für die ressortverantwortliche Sozialreferentin steht die Bekämpfung der Kinderarmut an erster Stelle“, assistierte die Landeshauptfrau in einer eigenen Aussendung einen Tag zuvor. Auch die Salzburger Mindestsicherung wird damit beworben, besonders viel für Kinder getan zu haben. Und: Am 11.11. findet die einzige große Veranstaltung des Landes zum Schwerpunktjahr 2010 statt. Das Thema? Genau, Kinderarmut. Und das ist auch gut so!

Weniger gut erscheint allerdings die Tatsache, dass allen Bekenntnissen, Studien und „Schwerpunktsetzungen“ zum Trotz die Zahl jener Kinder und Jugendlichen, die unter der Armutsgrenze leben, sich über viele Jahre hinweg auf einem konstant hohen Niveau hält: Ungefähr 15 % aller unter 19jährigen in Österreich – oder absolut 250.000 – leben in Einkommensarmut, gelten somit als „armutsgefährdet“. Auch die regionalen Statistiken geben kaum Anlass, dieses Bild zu korrigieren. So ist die Anzahl jener Minderjährigen in Salzburg, die auf Sozialhilfe bzw. nun Mindestsicherung angewiesen sind, in den letzten Jahren wieder im Steigen begriffen.

Sieht man das Ganze negativ, dann müsste man der Meinung sein, politische Bekenntnisse und die Realität klaffen hier einfach zu weit auseinander. Sieht man es positiv, könnte man argumentieren, Stadt und Land Salzburg haben mit zweifellos wichtigen armutspolitischen Maßnahmen zumindest einen deutlicheren Anstieg der Kinderarmut verhindert. Und sieht man es realistisch, dann muss die Botschaft lauten: Ja, es ist einiges geschehen, aber es reicht ganz einfach nicht. Ob Anregungen und Ergebnisse auf der angesprochenen Tagung zum Thema Kinderarmut gehört, aufgegriffen und umgesetzt werden, wird maßgebend sein, wohin sich die Waagschale wendet.


Sie können die Antworten zu diesem Beitrag abonnieren über den RSS 2.0 feed. Sie können antworten, oder trackback von Ihrer eigenen Site.

AddThis Social Bookmark Button

Antworten