Der Umsetzung eines einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeldes erscheint nun auch in Österreich in greifbare Nähe gerückt zu sein. Nach den nordischen Ländern (z. B. Schweden und Finnland) und vor zwei Jahren Deutschland scheint sich nun auch hierzuland die Einsicht quer durch die maßgeblichen Parteien durchgesetzt zu haben, dass das derzeitige Modell – im Vergleich zum Karenzgeld – zwar eine Ausweitung des BezieherInnen-Kreises mit sich brachte, an der grundsätzlichen Systematik allerdings nichts geändert hat: Weder die Frauenerwerbsquote, noch die Kinderzahl, und auch nicht die Armutszahlen konnten maßgeblich, also positiv verändert werden.
Grundsätzlich ist ein einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld zu begrüßen, allerdings ist nicht zu vergessen, dass z. B. in den oftmals zitierten “Vorbild-Ländern” wie Schweden auch andere Rahmenbedingungen geschaffen wurden, in denen dieses Konzept erfolgreich funktioniert: Zum Einen über einen massiven Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten, zum Zweiten über eine Gleichstellungspolitik, die es Frauen ermöglicht, auch unabhängig von Familienstrukturen ein finanziell gesichertes Leben zu führen, zum Dritten bedarf es zusätzlicher qualitätsvoller und entsprechend bezahlter Arbeitsplätze, sollte die neue Regelung auch zu einer Erhöhung der Frauenerwerbsquote beitragen, viertens braucht es Männer / Väter, die verstärkt Kinderbetreuungsaufgaben übernehmen.
Und nicht zuletzt ist natürlich auch alles eine Frage der Einstellung / von Werten: Kinder-Kriegen und -Betreuen, Beruf und Karriere, Unternehmen, die es Männern auch erleichtern / ermöglichen, in Karenz zu gehen – alles das ist nicht mit einer Änderung der Kinderbetreuungsregelung zu erreichen. Dass Schweden – wie auch andere nordische Länder – eine geringere Armutsquote als z. B. Österreich aufweist, sollte zusätzlich Ansporn sein, es nicht bei diesem einen wichtigen Schritt zu belassen.
