Darf es ein PISA´l mehr sein?

22. Dezember 2010 Salzburger Armutskonferenz Gepostet in Bildung Keine Kommentare »

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Salzburg braucht ArMUT!
Unsere monatliche Kolumne in der Sbg. Straßenzeitung Apropos

01/2011: Darf es ein PISA´l mehr sein?

Wenn die österreichischen Abfahrts-Recken auf der Kitzbühler Streif nicht zumindest auf dem Stockerl stehen, ist die nationale Enttäuschung sicherlich größer. Aber immerhin: Nach diesem erneuten PISA-Debakel für Österreich gibt es erwartungsgemäß eine breite Debatte, Schuldzuweisungen, neue und alte Vorschläge, Schulterschlüsse: jetzt müsse endlich was geschehen! So auch im Salzburger Landtag kurz vor Weihnachten, als die Grünen einen „PISA-Notfallplan“ gefordert haben, die VP ankündigte, Salzburg in ein „Land des Lesens“ umwandeln zu wollen, die FP dafür die Volksschule in eine fünfjährige Grundschule, und die SP nebenbei über Studiengebühren streitet. Und vieles mehr.

Ja, es braucht diese Bildungsdebatte. Es braucht aber auch eine Diskussion über die grundlegendste all der Fragen, die es dabei zu beantworten gilt, bevor man sich über Schulformen, Ausbildung von LehrerInnen und Lesekompetenzen unterhält. Nämlich die Frage der Umverteilung. Ein Bildungssystem entwickelt sich und entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern ist geprägt von Interessen und Machfragen: Wer profitiert von welchem System? Oder: Wer glaubt, von welchem System profitieren zu können? Wenn Mittelstandsfamilien ihre Kinder vermehrt in Privatschulen geben, weil die öffentlich finanzierten angeblich eine zu geringe Qualität oder einen zu hohen MigrantInnen-Anteil aufweisen, dann wollen sie damit die Chancen der eigenen Kinder verbessern. Was schlussendlich mit dem Kampf um sozialen Status, mit Abstiegsängsten, mit Entsolidarisierung zu tun hat. Und wenn die Schere zwischen Arm und Reich aufgeht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn diese Entwicklungen sich verschärfen.

Egalitäre Gesellschaften sind insgesamt gesünder, zeichnen sich durch ein erhöhtes gegenseitiges Vertrauen aus, und haben bessere Bildungserfolge, und zwar quer durch alle sozialen Schichten. Heißt: Auch die Reichen profitieren davon! Wenn die Gesellschaft oder die Politik insgesamt sich also nicht für mehr Verteilungs-, Bedarfs- und echter Leistungsgerechtigkeit entscheiden und nicht die entsprechenden Maßnahme auf allen Ebenen setzen, werden die Ergebnisse vielleicht ein PISA´l besser sein. Den Stockerlplatz werden wir aber weiterhin den Schifahrern überlassen müssen.

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