Hauptsache Arbeit !?

30. Januar 2012 Salzburger Armutskonferenz Gepostet in Umgang mit Armut, Wirtschaft, working poor Keine Kommentare »

de_medium4

Salzburg braucht ArMUT!
Unsere monatliche Kolumne in der Sbg. Straßenzeitung Apropos

02/2012:  Hauptsache Arbeit!?

Liest man die verschiedenen Pressemitteilungen zur Entwicklung auf dem Salzburger Arbeitsmarkt, klingt dass alles irgendwie unglaublich positiv: Der Tennengau sei nun statt „Sorgenkind ein Musterknabe“ mit „nahezu Vollbeschäftigung“, trotz Krise und der Schließung von Industriebetrieben. Nach der Bekanntgabe, dass das Sony-Werk in Anif 160 MitarbeiterInnen entlässt, hört man ähnlich Positives: „Das sind alles ganz hervorragend ausgebildete Fachkräfte – die kommen wieder unter“, lässt der Wirtschaftskammerpräsident verlauten.

Sozialpartner, AMS und Politik sind sich in ihrer Meinung diesbezüglich ja ungewöhnlich einig. Ja, das eine oder andere Problem gebe es schon, aber insgesamt steht Salzburg sehr gut da, „fast Vollbeschäftigung“ gebe es, auch die Krise wurde gut überstanden. Und das wichtigste sei ohnehin, die Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen. Stimmt das alles? Sind kritische Stimmen da nur mehr Nörgelei und unberechtigte Kritik?

Eine Möglichkeit, genauer hinzusehen, bietet da der Sozialwissenschaftler Manfred Krenn, der feststellt: „Die Losung `Hauptsache Arbeit` geht an den mittlerweile differenzierten Realitäten in der Arbeitswelt und der Zunahme von Prekarisierung vorbei.“ Und weiter: „In diesem Paradigma konzentriert sich die Arbeitsmarktpolitik auf eine Matching-Strategie um jeden Preis, also auf das Ziel, Arbeitslosigkeitsphasen so kurz wie möglich zu halten, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Statussicherung.“

In Interviews mit betroffenen Arbeitslosen und WiedereinsteigerInnen, die Krenn im Rahmen einer Studie durchführte, wurde deutlich, wie Prekarität am Arbeitsmarkt derzeit zunimmt. Und wie fragwürdig daher die hoch gepriesene Integrationskraft der Arbeitswelt noch ist – oder sein kann. Geringe Bezahlung, wenig Aufstiegsmöglichkeiten, dafür Einkommens- und Erwerbsspiralen nach unten, gesundheitlich belastende Arbeitsatmosphäre, ein verstärktes Pendeln zwischen Mindestsicherung und prekärem Arbeitsmarkt sind keine Seltenheit mehr. Und vor allem: geringe Anerkennung und mangelnde Wertschätzung. Die auch dadurch erklärt werden kann, dass „beinahe Vollbeschäftigung“ gepriesen wird, auf die „dunklen“ Seiten der „Arbeits-Welt“ aber weniger gerne vergessen wird.

 

AddThis Social Bookmark Button